Adipositas und Gelenkprobleme treten häufig gemeinsam auf – und verstärken sich gegenseitig. Die Forschung hat gezeigt, dass dieser Zusammenhang komplexer ist als eine reine Gewichtsfrage.
Adipositas und Gelenke: Was biomechanisch passiert
Die biomechanische Last auf die Kniegelenke ist beim Gehen etwa dem Drei- bis Fünffachen des Körpergewichts, beim Treppensteigen dem Vier- bis Sechsfachen. Eine Person mit 100 kg Körpermasse belastet ihre Kniegelenke beim Gehen also mit 300 bis 500 kg pro Schritt.
Adipositas ist einer der stärksten modifizierbaren Risikofaktoren für Kniearthrose: Laut einer Metaanalyse von Blagojevic et al. (2010) im Osteoarthritis and Cartilage Journal haben adipöse Personen ein etwa vierfach erhöhtes Risiko, eine symptomatische Kniearthrose zu entwickeln.
Der entzündliche Faktor
Fettgewebe ist metabolisch aktiv und sezerniert proinflammatorische Adipokine – darunter Leptin, Resistin und Interleukin-6 – die direkt in den Knorpelstoffwechsel eingreifen.
Dieser systemische Entzündungseffekt erklärt, warum Adipositas auch mit erhöhtem Arthroserisiko in nicht gewichtsbelasteten Gelenken wie den Händen assoziiert ist.
Das Bewegungsparadox bei Adipositas
Für Menschen mit Adipositas und Gelenkproblemen entsteht ein gut dokumentiertes Dilemma: Bewegung wäre therapeutisch sinnvoll – ist aber bei Vollbelastung schmerzhaft oder nicht durchführbar. Inaktivität verschlechtert die Situation weiter: Muskelabbau, Gewichtszunahme, weitere Gelenkbelastung.
Welche Trainingsformen wissenschaftlich sinnvoll sind
Wasserbasiertes Training gilt als Möglichkeit, Gewichtsbelastung zu reduzieren. Gewichtsentlastendes Gangtraining bietet den Vorteil, dass das Gangbild dem natürlichen Gehen auf festem Untergrund näherkommt.
Studien wie die von Hooper et al. (2017) im PM&R Journal zeigen, dass Menschen mit Adipositas und Kniearthrose nach acht Wochen gewichtsentlastendem Gangtraining signifikante Verbesserungen in Schmerz, Funktion und Gehgeschwindigkeit erzielten.
Wie Belastung sinnvoll gesteuert werden kann
Bereits moderate Gewichtsreduktionen am Trainingsgerät – etwa auf 70 bis 80 Prozent des Körpergewichts – können ausreichen, um Training schmerzfrei zu machen. Von dort aus wird die Last schrittweise gesteigert.
In der Praxis beweg-was in Freiburg setzen wir diesen Ansatz individuell um. Ziel ist nicht das Gerät, sondern die Bewegung – das Gerät ist das Mittel.
Haben Sie Fragen zu Ihren Möglichkeiten? Wir beraten Sie gerne und ehrlich.