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Praxiswissen

Ganganalyse in der Rehabilitation: Biomechanische Grundlagen und was Schonhaltungen wirklich kosten

Oliver Wrobel  ·  14. Mai 2026  ·  2 Min. Lesezeit
Ganganalyse in der Rehabilitation: Biomechanische Grundlagen und was Schonhaltungen wirklich kosten

Das menschliche Gehen ist einer der komplexesten Bewegungsabläufe, die wir täglich ausführen – und trotzdem denken die wenigsten bewusst darüber nach. Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert, wird sichtbar, wie viele Strukturen am normalen Gang beteiligt sind.

Was ist eine Ganganalyse?

Eine Ganganalyse ist die systematische Beobachtung und Bewertung des menschlichen Gangmusters. Sie kann visuell, videogestützt oder mit spezialisierter Messtechnik (Kraftmessplatten, Inertialsensoren, 3D-Bewegungsanalyse) durchgeführt werden.

Die wissenschaftliche Ganganalyse unterscheidet zwischen kinematischen Parametern (Gelenkwinkel, Schrittlänge, Kadenz, Ganggeschwindigkeit) und kinetischen Parametern (Bodenreaktionakräfte, Gelenkmomente).

Welche Parameter aussagekräftig sind

Die Ganggeschwindigkeit hat sich als einer der robustesten Prädiktoren für funktionelle Rehabilitation erwiesen. Studenski et al. (2011) zeigten im JAMA, dass die Gehgeschwindigkeit bei älteren Erwachsenen mit Gesundheitsoutcomes wie Krankenhausaufenthalten und Pflegebedürftigkeit korreliert.

Schrittlänge und Kadenz liefern ergänzende Informationen: Eine verkürzte Schrittlänge auf einer Seite deutet auf asymmetrische Belastung hin, eine erhöhte Kadenz bei kurzen Schritten ist ein klassisches Kompensationsmuster.

Schonhaltungen erkennen und korrigieren

Ein besonders praxisrelevanter Aspekt ist die frühe Erkennung von Schonhaltungen. Diese entstehen, wenn das Gehirn auf Schmerz mit Kompensationsstrategien reagiert – etwa durch Rumpfneigung oder asymmetrischer Belastungsverteilung.

Problematisch wird das, wenn sich diese Muster über Wochen festigen. Kompensatorische Gangmuster können sekundäre Beschwerden in anderen Körperbereichen verursachen.

Frühzeitige Gangbeobachtung erlaubt es, solche Muster zu identifizieren, bevor sie habituell werden. Das ist ein deutlicher Vorteil gewichtsentlasteten Gangtrainings gegenüber dem Einsatz von Gehstützen.

Ganganalyse als Verlaufsdokumentation

Systematisch erhobene Gangparameter – Geschwindigkeit, Symmetrieindex, Schrittlänge – ermöglichen eine objektive Bewertung des Rehabilitationsfortschritts. Für Patienten ist dieser Aspekt motivational wertvoll: Sichtbarer Fortschritt in messbaren Parametern stärkt die Therapiemotivation.

Wie wir Gangbeobachtung in der Praxis einsetzen

In der Praxis beweg-was in Freiburg nutzen wir die integrierte Kameraperspektive beim Gangtraining, um das Gangbild des Patienten in Echtzeit zu beobachten. Das erlaubt direktes Feedback während der Einheit.

Dieses direkte Feedback ist aus der Forschung zur motorischen Lerntheorie gut begründet: Rückmeldung während oder unmittelbar nach einem Bewegungsversuch ist lernwirksamer als verzögertes Feedback.

Sie möchten wissen, wie Ihr Gangbild aktuell aussieht? Wir schauen es uns gemeinsam an.